Kandidatin ist nicht auf Parteilinie

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Ostsee-Zeitung l Mittwoch, 12. März 2008 | Ostvorpommern l 355 Wörter     pdf-Datei zum Download
Kandidatin ist nicht auf Parteilinie

Die designierte SPD- Bewerberin für die Landratswahl stellt sich klar gegen den geplanten Kohlemeiler – und attackiert damit auch den eigenen Landesverband.

Ostvorpommern Die Konkurrenz hatte schon frohlockt: Anja Ziegon aus dem vom Landkreis „gedanklich fernen Sponholz bei Neubrandenburg“ sei eine harm- und farblose SPD- Kandidatin für die ostvorpommersche Landratswahl am 18. Mai. Doch die Lästermäuler haben sich offenbar zu früh gefreut.

Jetzt meldet sich die 42-jährige Sparkassen-Betriebswirtin mutig zum geplanten Steinkohlemeiler Lubmin zu Wort: „Ich bin klar gegen dieses Projekt, egal ob es in ganzer oder halber Größe verwirklicht werden soll“, unterstrich Anja Ziegon gegenüber OZ. Dies war auch eine Reaktion auf die Resolution der Bürgerinitiative „Kein-Steinkohlekraftwerk-Lubmin“, die sich am Wochenende in Koserow anders als erwartet nicht nur hinter die Grüne Christa Labouvie gestellt, sondern auch der Sponholzerin den Rücken gestärkt hatte (OZ berichtete). Mit ihrer Aussage greift Anja Ziegon auch ganz klar die Position des SPD-Landesverbandes an, der ein Steinkohlekraftwerk – allerdings mit halbierter Leistung von 800 Megawatt – befürwortet.

Landesvorsitzender Erwin Sellering zeigte sich deshalb, auf die Äußerung der Landratskandidatin angesprochen, leicht angefressen: „Wir verhandeln derzeit mit Kraftwerksinvestor Dong, um einen sinnvollen Kompromiss herbeizuführen. Da wäre es hilfreich, wenn Einzelne in der Partei die Ergebnisse abwarten“, sendete der Greifswalder eine klare Botschaft Richtung Ziegon – nach dem Motto: Störfeuer unerwünscht.

SPD-Kreisvizechefin Karin Kaspar nahm die ehemalige Vorsitzende des Landeselternrates aber in Schutz: „Sie könnte bei uns keinen Blumentopf gewinnen, wenn sie anders dächte. Damit muss Herr Sellering leben“, schätzte die Usedomerin ein. Sie sei froh, dass sie einer Partei angehöre, in der konträre Meinungen erlaubt seien, erklärte sie.

Ziegons klare Positionierung sorgt auch für eine neue Ausgangsposition im Landratswahlkampf. Denn bislang stand nur Christa Labouvie, die als freie Bewerberin antreten will, gegen das Kraftwerk. Nun hat sich mit Anja Ziegon die Kandidatin einer Volkspartei dazu gesellt und geht damit auf Konfrontationskurs zu CDU-Bewerber Jörg Hasselmann und der wieder kandidierenden Amtsinhaberin Barbara Syrbe (Die Linke), die den Meiler beide befürworten. Man darf gespannt sein, wie die Wähler darauf reagieren. Bei der großen Betroffenheit der Bevölkerung dürfte die Meinung zum Kraftwerk am 18. Mai schon eine gewichtige Rolle spielen.

ALEXANDER LOEW
Anja Ziegon - Geht auf Konfrontation
Erwin Sellering - Wünscht kein Störfeuer