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OZ/LOKAL/WLG vom 23.02.2010
Kohlekraftgegner setzen Protest fort

Die Bürgerinitiative „Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin“ plant trotz des Dong-Rückzuges weitere
Aktionen in diesem Jahr.
Ostvorpommern (OZ) - Die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Kein Steinkohlekraftwerk
Lubmin“ machen weiter. So lautet die Botschaft der jüngsten Mitgliederversammlung. „Der
Rückzug von Dong bedeutet nicht zwingend, dass damit die Sache vom Tisch ist“, sagte
Vorstandsmitglied Christa Labouvie. Die Antragsteller, die Kraftwerke Greifswald GmbH, eine von
vielen Tochtergesellschaften von Dong, habe öffentlich bekundet, dass sie das
Genehmigungsverfahren unvermindert fortführen werde. „Viel Geld wurde bisher vom
Antragsteller für das Verfahren aufgebracht und so ist Dong selbstverständlich daran interessiert,
möglichst doch noch eine Genehmigung zu erwirken“, so Labouvie weiter. Mit einer Genehmigung
würde sicher eher ein neuer Investor gefunden werden.
Die Mitgliederversammlung war sich einig, dass es jedem möglichen neuen Investor bewusst sein
sollte, dass „die Mehrheit der Bevölkerung in Vorpommern das Kohlekraftwerk entschieden ablehnt
und wenn nötig, die Bürgerinitiative den vollen Protest in aller Schärfe noch einmal mobilisieren
wird“, so Christa Labouvie. „Zudem steht fest, dass das Kraftwerk nicht genehmigungsfähig ist.“
Der Schatzmeister der BI, Dr. Reinhard Sommer, berichtete von zwei weiteren Gutachten, die in
Arbeit sind und durch die BI bezahlt werden. Dank ihrer zahlreichen Unterstützer sei es der BI
möglich, weiterhin alle erforderlichen Gutachten in Auftrag zu geben und die Anwaltskosten für die
Begleitung des laufendens Verfahrens abzusichern. „Sollte es zu einem Prozess kommen, würden
weitere Mittel, die von einzelnen Gemeinden bereits eigens dafür in den Haushalt eingestellt
wurden, das gerichtliche Verfahren finanziell absichern“, sagte Labouvie.

Die Bürgerinitiative habe sich für dieses Jahr vorgenommen, wieder öffentlichkeitswirksame
Aktionen zu organisieren. „Wir denken an eine große Demonstration mit anschließendem
Frühlingsfest.“ Der Vorsitzende der BI, Michael Woitacha, kündigte außerdem eine Aktion im
Rahmen der Premiere des Films „Die 4. Revolution“ (Streifen über erneuerbare Energien) am 18.
März in Greifswald an. Die BI werde die Premiere mit Transparenten und einem Infostand
begleiten.

Der im Anschluss der Mitgliederversammlung gezeigte Film „Das Schönauer Gefühl“ beleuchtete
die Aktivitäten einer Bürgerinitiative im Schwarzwaldstädtchen Schönau. Dort hatten es die Bürger
geschafft, in zehn Jahren einem Stromriesen das Netz abzukaufen. Mittlerweile würden sie nicht
nur ihre Gemeinde mit Strom versorgen, sondern 50 000 weitere Kunden in Deutschland. „Zwei
Bürgerentscheide mussten dafür gewonnen werden“, so Woitacha. Im Frühjahr ist die nächste
Mitgliederversammlung geplant.