Dieses „längste Filmfestival Deutschlands“ wurde nun bereits zum dritten Mal von Januar bis April hauptsächlich in 55 Orten im Land Brandenburg veranstaltet. Greifswald ist bislang als einziger Ort außerhalb im vorigen Jahr hinzugekommen, dieses Jahr wird auch eine der vielen Veranstaltungen erstmalig nach Berlin touren. Die „ökofilmtour“ steht in der Tradition des Freiburger ÖKOMEDIA-Festivals, das seine Tätigkeit 2005 nach 21 Jahren ganz und gar einstellte. 15 Jahre lang hatte der Potsdamer Förderverein für Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Umweltschutz, selbst von Filmemachern und Fernsehjournalisten gegründet, die Tournee der Preisträgerfilme aus Freiburg organisiert. Nun veranstaltet er das Festival im Netzwerk der Brandenburger Umwelt- und Naturschutzvereine selbst.
Der Film „Demontage – Ein Atomkraftwerk kommt auf den Schrott“, 2006 von den Fil-memachern Florian von Stetten und Konstanze Burkard für das ZDF und ARTE im ehemaligen Atomkraftwerk Greifswald gedreht, richtet sich besonders an die Zuschauer von Greifswald und Lubmin. Denn die Geschichte und Gegenwart dieses Industriestand-ortes betrifft sie in erster Linie selbst.
War eine Mitwirkung zu DDR-Zeiten undenkbar, so müsste sich heute jeder Einzelne seiner besonderen Verantwortung für die Planung zukünftiger Anlagen an diesem Ort bewusst sein und sich dabei für die Sensibilität der Landschaft am Greifswalder Bodden einsetzen. Die Zeiten, das nur pragmatisch denkenden Wirtschaftsmanagern und Politikern zu überlassen, sollten gründlich vorbei sein. Die Bürgerinitiative „Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin e.V.“ und die bislang mehr als 11.000 Unterschriften für die Volksinitiative in und um Greifswald, auf Usedom, dem Darß und auf Rügen beweisen das besonders deutlich.
Der Film zeigt hier den Modellfall für den Abriss weiterer Atommeiler beim geplanten Ausstieg aus der Kernenergie. Ungelöst ist noch immer die Endlagerung. Wird nun das überdimensionierte Zwischenlager zum "Atomklo Deutschlands"? Zeitgleich zwischen Abbruch und Aufbruch wird im benachbarten Ostseebad Lubmin die neue Strandpromenade eingeweiht. Nach dem Film lädt das Festival traditionell Experten und das Publikum zum Gespräch ein, die Themen des Abends lassen dafür einige Spannung erwarten.
Der heutige Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Dr. Sebastian Pflugbeil, war in der letzten DDR-Regierung Minister ohne Geschäftsbereich. Als Physiker hat er die Bedingungen, die zu der Entscheidung der Stilllegung dieses AKW führten, damals genau erforscht und kann über die spannenden Vorgänge berichten. Der Träger des Alternativen Nobelpreises, Prof. Michael Succow, der ebenfalls als prominenter Gesprächspartner an diesem Abend dabei sein wird, hält eine Entscheidung für das Kohlekraftwerk der däni-schen Firma Dong Energy wider alle Vernunft. Er teilte seine Meinung dazu bereits im November 2007 mit:
„Die Ablehnung breitester Teile der Bevölkerung, von den Tourismus- und Umweltver-bänden, den Kirchen und auch Teilen der Politik müsste doch für das Unternehmen ein klares Zeichen sein, den eingeschlagenen Weg zu überdenken und nach Alternativen zu suchen, die in Dänemark Standard sind.“ Prof. Succow gehörte damit zu den Erstunterzeichnern der Volksinitiative, die auch an diesem Abend zur Debatte steht.
Der zweite Film des Abends mit dem Titel „Grenze des Erlaubten – Grüne Gentechnik in Mecklenburg“ wurde von Sabine Hellmann, einer Absolventin der Hochschule Wismar, gedreht. Er befasst sich mit dem Anbau gentechnisch veränderter Maissorten. Der Film geht der Frage nach, ob ihr Einsatz in der Landwirtschaft so unproblematisch ist, wie von der Saatgutindustrie behauptet wird. Eine Professorin der Universität Rostock begründet ihre Forschungen. Vom Labor geht es hinaus aufs Feld zu den Agrarwirten Runald Bohl und Dr. Heino Graf von Bassewitz, zum Imker Michael Grolm und der Biobäuerin Anna Adolphi. Der brasilianische Wissenschaftler Antonio Andreoli spricht über persönliche Er-fahrungen des Gen-Soja-Anbaus in Südbrasilien.
Zu später Stunde, gegen 22.30 Uhr läuft noch der bereits mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm „Die Wiese“ von Jan Haft. Damit zeigt das Festival „ökofilmtour 2008“ neben dem kritischen Umweltfilm seine zweite Seite - die des besonderen Naturfilms. Der Eintritt für diesen langen Filmabend beträgt 3 Euro.
Am Vormittag des 4. April wird es im Pommerschen Landesmuseum ab 9 Uhr auch für die Greifswalder Schulen ein Film-Programm für die unterschiedlichen Altersstufen geben.
Ernst-Alfred Müller, Leiter der „ökofilmtour“


Wir laden Sie herzlich ein und bitten um Ankündigung in Ihren Veranstaltungs-hinweisen.
Bis zum Finale am 9. April 2008 im Filmmuseum Potsdam wird die Homepage www.oekofilmtour.de ständig aktualisiert. Hier können Sie alle Informationen über das Festival finden. Auf der Seite „Filme 2008“ ist unter den Thumbnails (Bildvorschau) ein Foto zu jedem Film in druckfähiger 300 dpi-Auflösung abgelegt: Per Klick und Kopieren zum Herunterladen.

Förderverein für Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Umweltschutz FÖN e.V.
Leitung des Festivals: Ernst-Alfred Müller Dr. Jutta Schölzel
Haus der Natur, Lindenstr. 34, 14467 Potsdam
Tel  0331-2015535  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Fax  0331-2015536 Internet: www.oekofilmtour.de