Bürgerinitiativen Kein Steinkohlekraft­werk in Lubmin

Gemeinsame Bürgerinitiativen gegen das Steinkohlekraftwerk in Lubmin

Ostsee-Zeitung l 04.08. 2010 I Greifswald

Umweltschützer: Gaskraftwerk erwärmt Bodden

Greifswald - Die Greifswalder Bürgerinitiative gegen das in Lubmin geplante Steinkohlekraftwerk hat Kritik an den Plänen der Energiewerke Nord (EWN) geäußert, auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes ein drittes Gas- und Dampfkraftwerk zu errichten. Der in Lubmin erzeugte Strom werde in Mecklenburg-Vorpommern nicht benötigt, sagte der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Oskar Gulla. Außerdem stünden die Kraftwerke der Entwicklung des Landes hin zu einer Versorgung mit hundert Prozent Erneuerbaren Energien im Wege. Hinzu kämen die aus dem Kraftwerksbetrieb resultierende Boddenerwärmung und die damit verbundenen ökologischen und gesundheitlichen Gefahren, erklärte Gulla.

Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in Schwerin hatte am Montag angekündigt, dass die Energiewerke Nord das ursprünglich von Dong Energy geplante, inzwischen aber abgesagte Kraftwerksvorhaben auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Lubmin übernehmen wollen. Statt des geplanten Steinkohlekraftwerks solle dort nun ein Gas- und Dampfkraftwerk mit 1350 Megawatt Leistung entstehen.

Zur Ankündigung des Ministeriums sagte Gulla, sie sei der „Totenschein für das Steinkohlekraftwerk“ und bedeute das endgültige Aus für das Steinkohlekraftwerk. „Damit geht für uns ein langer und harter Kampf erfolgreich zu Ende“, fügte er hinzu.

Torsten Jelinski von der Bürgerinitiative Rügen brachte seinen Unmut gestern deutlich zum Ausdruck: „Die Gaskraftwerke haben, was den Bodden betrifft, die gleichen Auswirkungen wie das Steinkohlekraftwerk von Dong Energy. Das Wasser wird erheblich erwärmt. So wird es in Zukunft nicht ausbleiben, dass gesundheitsschädigende Bakterien wie die Vibrionen im Wasser tanzen werden.“ Auf der Tourismusinsel Rügen sei man deshalb „nicht glücklich“ darüber, dass die EWN ein drittes Gaskraftwerk errichten wollen. Ankündigungen zufolge wolle EWN dafür nun einen Investor suchen. „Ich glaube nicht, dass sie einen finden werden“, sagte Jelinski. Drei Gaskraftwerke seien für ihn mindestens eins, wenn nicht sogar zwei zu viel. Die Energieunternehmen E.ON sowie EnBW planen bereits den Bau von zwei Gaskraftwerken mit 1200 beziehungsweise 1350 Megawatt. OZ/epd

Ostsee-Zeitung l 23.02.2010
Stadt begrüßt Beitrittswunsch der Bürgerinitiative Greifswald.

Das Klimaschutzbündnis der Hansestadt ist weiterhin an einem Beitritt der Bürgerinitiative Greifswald gegen das Steinkohlekraftwerk Lubmin e.V. interessiert. Es sei nie die Rede davon gewesen, die Initiative nicht aufzunehmen, stellte Michael Haufe, Mitarbeiter der Umweltabteilung, klar. Vielmehr hätten Senator Reinhard Arenskrieger und er in einem Gespräch mit dem BI-Vorsitzenden Oskar Gulla im vergangenen Jahr viele gemeinsame Interessen festgestellt und den Beitrittswunsch begrüßt. Aber nicht die Stadtverwaltung entscheide über die Aufnahme, sondern der Beirat des Klimaschutzbündnisses, in dem jeder Bündnispartner mit einer Stimme vertreten ist. Dieser habe die Abstimmung über die Aufnahme lediglich vertagt. Die Entscheidung sei damit begründet worden, dass die BI sich nach ihrem derzeitigen Satzungszweck primär gegen das Kohlekraftwerk richtet. Über den Beitritt solle erst wieder entschieden werden, wenn in der Satzung aufgenommen ist, welche weiteren Ziele die Bürgerinitiative verfolgt. Die Stadtverwaltung wies zugleich Äußerungen von Grünen-Fraktionschef Dr. Ulrich Bittner zurück, die Verwaltung weigere sich, Fragen zum Klimaschutzbündnis zu beantworten. Dies sei durch Bausenator Arenskrieger in der vergangenen Bürgerschaftssitzung erfolgt. Darüber hinaus seien dieVorsitzenden aller in der Bürgerschaft vertretenen Fraktionen zur Beiratssitzung Ende Januar eingeladen worden,umihnen eine Beteiligung am Greifswalder Klimaprozess zu ermöglichen. Der Einladung seien jedoch nur die Linken und die SPD gefolgt. 

Ostsee-Zeitung l 24.02.2010 l Seite 2
Kohlekraftwerk in Lubmin Realitätsfern

Von GERALD KLEINE WÖRDEMANN
Die CDU lässt nicht locker: Über ihren Wirtschaftsrat fordert die Union im Nordosten die Landesregierung auf, nach einem neuen Investor für ein Steinkohlekraftwerk in Lubmin zu suchen. Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) sagt das zwar nicht so direkt, will aber auch nichts ausschließen. Das klingt alles nach einem Sturm imWasserglas. Die Realität spricht gegen die Unions- Wünsche nach einer solchen Milliarden- Investition im wirtschaftlich schwachen Vorpommern. Mehrere Pläne für neue Kohlekraftwerke wurden in den vergangenen Monaten in Deutschland beerdigt. Ob es ein neuer Investor, der nicht in Sicht ist, gerade in Lubmin schaffen sollte, darf bezweifelt werden. Es gibt noch nicht einmal die Genehmigung für Bau und Betrieb des Riesen-Kohlenofens am Rande eines ökologisch empfindlichen Gebietes. Die knappen Äußerungen der zuständigen Behörden geben kaum Anlass für Optimismus. Geradezu hilflos wirken die Beteuerungen, wie viele Arbeitsplätze durch die Absage verloren gingen. 285 Dauer-Jobs hätte es im Kraftwerk gegeben. Im Verhältnis zum Aufwand ist das ein Witz, bei allem Respekt denjenigen gegenüber, die dort gerne gearbeitet hätten. Schon heute haben andere Firmen im Lubminer Industriegebiet mehr Stellen geschaffen. Berichte auf den Seiten 1 und 11

Ostsee-Zeitung l  l 10.12.2009
Kraftwerks-Gegner schicken Mahnung nach Kopenhagen

Connie Hedegaard, dänische Präsidentin des Welt-Klimagipfels, soll Dong Energy zum Verzicht auf das Steinkohlekraftwerk bei Greifswald auffordern. Das verlangen Umweltschützer aus MV. Von ELKE EHLERS Schwerin (OZ) Schmelzende Eisskulpturen, Kinder, die per Tritt in die Pedale Strom für die Weihnachtsbaum- Beleuchtung produzieren, neue Radfahrer-Brücken über den Hafen – mit solchen Bildern präsentiert sich Kopenhagen in dieser Woche zumWelt-Klimagipfel als besonders umweltfreundliche Metropole. „Zweifellos, Dänemark gehörte viele Jahre zu den Vorreitern im Klimaschutz“, sagt Arndt Müller vom Landesverband der UmweltorganisationBUNDin Schwerin. In einem Ranking von 30 Ballungszentren wurde Kopenhagen gerade zur „Grünsten Stadt Europas“ gekürt. Der vom Technologiekonzern Siemens erstellte „European Green City Index“ bewertet dabei u.a. den Energie- und Wasserverbrauch, die Nutzerquote öffentlicher Verkehrsmittel und die Energieeffizienz der Gebäude. Bei gutem Wetter fährt jeder zweite Kopenhagener mit dem Fahrrad zur Arbeit. Allerdings: „Es gibt Tendenzen, die so gar nicht zu diesem Vorzeige-Image passen“, meint Müller. Darauf wollen ab morgen Umweltschützer aus Mecklenburg- Vorpommern in der dänischen Hauptstadt hinweisen. Rund 100 Mitglieder von Bürgerinitiativen, Naturschutzverbänden und Grünen werden vor der Zentrale des Energiekonzerns Dong Energy gegen den geplanten Bau des Kohlekraftwerkes am Greifswalder Bodden protestieren. Anfang dieser Woche wandte sich die Allianz „Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin“ bereits mit einer Botschaft an die Präsidentin des Klimagipfels und künftige EU-Kommissarin für Klimaschutz, Connie Hedegaard. „Frau Hedegaard setzt sich seit Monaten weltweit für strengere internationale Klimaschutzabkommen ein“, weiß Müller. Dass ein dänischer Staatskonzern auf der deutschen Seite der Ostsee ein Kohlekraftwerk bauen will, stehe dazu „in krassemWiderspruch“. „Vergessen Sie nicht, die Unternehmen Ihres eigenen Landes in die Pflicht zu nehmen“, heißt es in dem Brief an Hedegaard, die bis vor wenigen Tagen Dänemarks Ministerin für Klima und Energie war. Konkret verlangen die Mitglieder der vier Bürgerinitiativen, die 32 000 Unterschriften gegen den Bau des 1600-Megawatt- Kraftwerks sammelten: „Fordern Sie Dong Energy auf, die Pläne zur Errichtung eines Kohlekraftwerkes in Mecklenburg-Vorpommern zu stoppen.“ Dong Energy gehört zu 73 Prozent dem dänischen Staat. Der Konzern will nach eigenen Angaben seine Stromproduktion bis 2040 zu 85 Prozent auf alternative Quellen umstellen. So sollen demnächst zwei Kohlekraftwerke in Dänemark auf Biogas umgerüstet werden. Die deutschen Kraftwerksgegner sind empört: „Im eigenen Land poliert Dong Energy sein Image auf, der Dreck soll exportiert werden.“ Pro Jahr würde das Kraftwerk zehn Millionen Tonnen Kohlendioxid erzeugen.